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Radland jetzt

Statt über die mehr oder weniger schmutzigen Autoabgase zu debattieren, sollten Radfahrer, Fußgänger, Busse und Bahnen gefördert werden. In Holland und Dänemark gehts doch auch. Wenn man sich die Webseite Copenhagenize.com anschaut: das muss das Radlerparadies sein!

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Der Allgemeine Deutsche Fahrad-Club e. V. (ADFC) hat die Kampagne Radlandjetzt.de gestartet. Bietet Infos zu den Zielen und die Möglichkeit, sich als Unterstützer einzutragen.

Lesetipp: Die Jagd

Irgendwann erwähnte meine Sprechtrainerin, dass sie auch einen Krimiautor als Schüler hat. Weil der Verlag der Meinung war, dass das nützlich sei, ehe der Autor mit dem neuen Buch auf Lesereise geht.

Natürlich war ich dann bei der Lesung von Claus Probst in Mannheim und habe mir die beiden Bücher »Nummer zwei« und »Spiegelmord« als Hörbuch (gelesen von Oliver Siebeck) angeschafft. Jetzt ist »Die Jagd« neu erschienen – leider ohne Hörbuchfassung, so dass ich zum gedruckten Werk greifen musste.

Inhalt

Cover Ein Anwalt wird im Wald Zeuge eines Mordes. Natürlich geht er zur Polizei – und erfährt, dass der Täter ein berüchtigter Mafiaboss ist, der ihm für den Fall einer Aussage vor Gericht blutige Rache schwört.

Einziger Ausweg: Das Zeugenschutzprogramm. Alle Kontakte abbrechen, allein in eine fremde Stadt unter fremden Namen, immer in Furcht vor Entdeckung und Ermordung ...

Meinung

Während man die ersten beiden Bücher »Nummer zwei« und »Spiegelmord« durch ihre Handlung in Mannheim und Umgebung auch als Regionalkrimi hätte vermarkten können – was der Verlag bewusst vermieden hat – ist davon bei der »Jagd« kaum etwas zu finden.

Und während ich »Spiegelmord «und »Nummer zwei« als solide, wenn auch ungewöhnliche Krimis bezeichnen würde, ist Claus Probst mit »Die Jagd« ein wirklich atemberaubender Thriller gelungen, den man kaum aus der Hand legen kann. Selten habe ich einen Roman erzählt in der ersten Person gelesen, bei dem man trotzdem lange Zeit im Dunkeln tappt.

Die Geschichte beginnt kurz vor dem Finale und wird in Rückblenden erzählt; nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge. Trotzdem verliert man nie den roten Faden, und trotz eigentlich abscheulicher Taten bleibt der Protagonist dem Leser immer (meistens) symphatisch. Es gibt keine Schwarz-Weiß-Malerei; nicht alles ist so, wie es scheint. Puh, schwierig hierzu etwas zu schreiben, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten.

Fazit

Guter, spannender, brutaler und verstörender Thriller. Absolut empfehlenswert. 5 von 5 Sternen (ein Jammer, dass es kein Hörbuch gibt)

»Die Jagd«
Claus Probst
Fischer Verlag
ISBN 978-3-596-03672-1
9,99 Euro

Nicole Neubauer: Kellerkind

Nein, kein Mensch will Texte lesen, die von Anwälten verfasst wurden. Wie bei jeder Regel gibt es Ausnahmen.

Neulich auf Twitter bin ich über eine Namensvetterin gestolpert: Nicole Neubauer. Natürlich gleich auf »Folgen« geklickt und eine nette Antwort bekommen. Als ich dann mal genauer geschaut habe, wem ich da folge, ist mir die Kinnlade heruntergefallen: eine Krimiautorin! Damit war klar, was ich mit dem nächsten Audible-Guthaben anstelle. Gleich ihren ersten Roman »Kellerkind«, gelesen von Richard Barenberg, heruntergeladen.

Inhalt

CD-Cover Die erfolgreiche Anwältin Benninghoff wird mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Münchner Mietwohnung gefunden. Im Keller entdeckt die Kripo einen vierzehnjährigen Jungen mit blutverschmierten Händen und jeder Menge Kratzern und blauen Flecken, der sich aber an nichts erinnern kann. Wie sich herausstellt, ist der Vater des Jungen ein einflußreicher Unternehmer, der dem Ermittlerteam um Hauptkommissar Waechter viele Steine in den Weg legt ...

Meinung

Die Geschichte spielt in einem frostigen, tiefverscheiten München. Auch die Themen sind düster: neben Mord geht es um Kindesmißbrauch.

Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis gibt es in »Kellerkind« keinen einzelgängerischen Ermittler, der den Fall durch Scharfsinn löst. Wir erleben ein Team und erfahren eine Menge über ihr Privatleben. Der altgediente Kommissar Waechter hat ein Problem damit, Dinge wegzuwerfen, der energische Hannes wollte eigentlich Jurist werden und lebt vegan, Elli ist etwas stabiler gebaut, aber trotzdem flink (Spitzname Rennsemmel) und nicht auf den Mund gefallen. Schließlich gibt es noch einen Kollegen, den alle nur »Hüter des Schweigens« nennen.

Alle Personen fand ich sehr überzeugend geschildert. Auch die Ermittlungsarbeit scheint mir realistisch beschrieben. Keine Action am laufenden Band, sondern eine Menge nervtötender Routinekram.

Trotz aller Düsternis habe ich bei vielen Stellen schmunzeln müssen. Gott sei Dank, kann ich nur sagen. Solche Passagen müssen einfach sein, um Luft zu holen. Vorgesetzte und Anwälte bekommen ihr Fett ab. Laut gelacht habe ich bei der Szene, als Waechter seinem ausgehungerten Kollegen Hannes Kekse anbietet. Als der überzeugte Veganer den fünften Keks verschlungen hat, fragt er »Ist das etwa Milchschokolade?« und bekommt als Antwort »Freilich, von sadistischen Massentierhaltern den Kühen bei lebendigem Leib aus dem Körper gepresst!« (nicht wörtlich wiedergegeben; als Hörbuchkonsument ist es etwas mühsam, die Stelle wiederzufinden)

Von Richard Barenberg hatte ich bisher noch nichts gehört. In seinen Vorlesestil musste ich mich erst eine Weile einhören. Dann hat es mir gefallen. Den bayerischen, knurrigen Tonfall von Kommissar Waechter fand ich großartig (ist das im Buch in Dialekt geschrieben?), ebenso die kurze hessische Einlage bei einem Zeugen (wenn ich mich recht erinnere). Nicht zu vergessen die französisch angehauchten Passagen.

Fazit

Ein spannender, realistisch geschriebener Krimi mit sympathischen, menschlichen Ermittlern. Habe mir gleich den zweite Roman »Moorfeuer« (mit dem gleichen Team) heruntergeladen ;-)

Vier von fünf Sternen.

Leseproben auf der Webseite der Autorin, Hörprobe bei Randomhouse

»Kellerkind«, geschrieben von Nicole Neubauer
Blanvalet Verlag, ISBN 978-3-442-38337-5
Taschenbuch 9,99 Euro
Hörbuch gelesen von Richard Barenberg
mp3-Doppel-CD 14,99 Euro
Download 9,95 Euro

Lesetipp: Kritische Gedanken über die Bahnstreikberichterstattung

Spiegelfechter Jens Berger hat bei den Nachdenkseiten einen lesenswerten Artikel verfasst: Bahnstreik – aus den Zeile tropft Hass. Außerdem beleuchtet er die Hintergründe: Worum geht es im GDL-Streik eigentlich?

Bei der Gelegenheit: gestern bin ich trotz Streik pünktlich mit der Bahn am Arbeitsplatz angekommen – die Liveauskunft bei bahn.de funktioniert ausgezeichnet. Und mit einer Zugverbindung alle zwei Stunden komme ich zur Not zurecht. Wenn ich mir überlege, dass mein Opa jeden Tag 25 Kilometer zur Arbeit gelaufen ist. Einfach.

Schneller als der Tod

Das Schöne an einem Hobby: man lernt die Leistung der Profis viel mehr zu schätzen. Seitdem ich mich als Amateur damit beschäftige, Fabians Buch zu sprechen, höre ich Hörbücher anders. Ich achte mehr auf Pausen und Übergänge und darauf, wie die einzelnen Personen gesprochen werden. Während David Nathan (Synchronstimme von Johnny Depp, Christian Bale) manche Nebenpersonen mit unverstellter Stimme liest, gibt Christoph Maria Herbst (Stromberg, Alfons Hattler) auch der un­wich­tig­sten Figur etwas persönliches.

Auf Herbst als Hörbuchsprecher bin ich über »Er ist wieder da« gestoßen. Das musste ich einfach probehören. Das Buch hatte ich schon. Schwer beeindruckt, wie Herbst zwischen dem »Föhrer« und normalen Personen in Dialogen wechselt, habe ich auch die CDs gekauft. Seitdem suche ich Hörbücher nach Sprecher aus.

CD-Hülle Aktuell steckt bei mir »Schneller als der Tod« im CD-Spieler, geschrieben von Josh Bazell, ebenfalls gelesen von Christoph Maria Herbst. Ein ehe­maliger Mafiakiller arbeitet unter falschem Namen als Assistenzarzt in einer heruntergekommenen ameri­ka­nischen Großstadtklinik. Als er dort von einem Patienten (und »Familien­mitglied)« erkannt wird, bricht das Chaos aus.

Die turbulente Geschichte strotzt nur so vor rabenschwarzem Humor und – Mafia!  – abrupten Gewaltausbrüchen. Eine Mischung aus »Grey’s Anatomie« und »Kill Bill«. Ich wage zu behaupten, dass die gelesene Fassung besser ist als das Buch.

Auf der Seite des Verlags gibts eine Hörprobe und verschiedene Bezugsquellen. Eine etwa einstündige Lesung von Herbst vor Publikum kann man bei Youtube anschauen. Die Tonqualität ist suboptimal.

Buchtipp: Ready Player One

Habe in der Leihbücherei den Neuzugang »Ready Player One« von Ernest Cline erwischt. Nach zwei Tagen habe ich die Hälfte der 510 Seiten verschlungen und bin begeistert.

Als Pendlerlektüre ist das Buch nur bedingt tauglich: man muss höllisch aufpassen, dass man beim Lesen seine Haltestelle nicht verpasst!

Auf der Phantastik-Couch gibt es eine Buchbesprechung, ein Blog über den Autor findet man unter http://www.readyplayerone.com/, das Blog des Autors unter Ernie's Blog, kaufen kann man das Buch zum Beispiel bei jpc.de.

Buchtipp: Daemon

Wer es noch nicht kennt: »Daemon« von Daniel Suarez ist ein Thriller nicht nur für Computerfreaks. Der übermächtige Chef der populärsten Onlinespielefirma stirbt. Dadurch wird ein von ihm erdachtes Computerprogramm aktiviert, das mit brutalen Aktionen beginnt, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Der Autor ist selbst Programmierer. Die im Roman beschriebene Technik existiert; unwillkürlich fängt man an darüber nachzudenken, welche Gefahren die immer größere Vernetzung mit sich bringt. Skynet lebt.

Linksammlung:

»Daemon« von Daniel Suarez, ISBN-13: 9783499256431. Die Fortsetzung »Darknet« (ISBN-13: 9783499252440) ist gerade neu erschienen.

Vaterland von Robert Harris

Der spannendste Krimi, den ich seit langem gelesen habe: »Vaterland« von Robert Harris.

Das Buch hat schon einige Jahre auf dem Buckel (es ist von 1992) und wird mittlerweile bei einer Supermarktkette für 2,99 EUR verramscht. Bei dem Preis konnte ich nicht widerstehen und habe es mitgenommen. Bisher hatte ich immer einen Bogen um das Werk gemacht; die Geschichte klingt gar zu düster: sie spielt in einem fiktiven Großdeutschen Reich, in dem Hitler den Krieg gewonnen hat.

Harris versteht es meisterhaft, diese Idee zu einem beklemmenden Hintergrund für seine Geschichte zu nutzen. Das von Speer umgebaute Berlin, die allgegenwärtige Gestapo, die Vorbereitungen für ein erstes Treffen der beiden Staatsoberhäupter Kennedy (Joseph, nicht John F.) und Hitler passend zu Führers 75. Geburtstag - alles wird so stimmig geschildert, dass es einem wirklich eiskalt den Rücken hinunter läuft.

Dazu eine gut erzählte Story um einen desillusionierten Fahnder, der bei einer Routineermittlung zu einem Mordfall gefährlich nah an die Geheimnisse der Mächtigen im Lande gerät.

Als Pendlerliteratur kann ich das Buch nur bedingt empfehlen; ich hätte beinahe meine Haltestelle verpasst.

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