Friday, 7. May 2010

Armida

Posted by Klaus

... ach, ich schreib einfach in meinem Schulenglisch an die MET in New York. Liest ja sowieso keiner.

Thank you for contacting us.
Please accept our sincere apologies for the delay in responding to your inquiry.
We are delighted that you enjoyed our HD Broadcast and we appreciate your taking the time to share this with us. [...]

Liest keiner? Weit gefehlt. Die schreiben sogar innerhalb von fünf Tagen eine sehr ausführliche Antwort und entschuldigen sich dafür, dass es so lange gedauert hat! Eh? Ist der Kerl jetzt völlig übergeschnappt? Wieso schreibt er an die Metropolitan Opera?

Ganz einfach: letzten Samstag waren wir zum ersten Mal zur Oper im Kino. In der »Schauburg« wurde Rossinis selten gespielte »Armida« live aus der New Yorker MET übertragen mit Renée Fleming (Armida), Lawrence Brownlee (Rinaldo), John Osborne (Goffredo), Barry Banks (Gernando/Carlo), Kobie van Rensburg (Ubaldo) und Riccardo Frizza (Dirigent). Die »Liebe« wurde von der wirklich bezaubernden Teele Ude (Danke, MET!) gespielt.

Zunächst war ich überrascht, dass bis auf die ersten beiden Reihen alles ausverkauft war. Die Besucher würde ich als typisches Konzertpublikum bezeichnen, ein bischen festlicher gekleidet, Altersdurchschnitt über 60. Die »Schauburg« hatte sich große Mühe gegeben, auf das Publikum einzugehen und die Veranstaltung zu etwas besonderem zu machen: das Personal war festlich gekleidet, es gab eine Garderobe und in der Pause einen zusätzlichen Stand mit Sekt und Orangensaft. So hätte ich das auch gerne für die Premiere großer Kinofilme!

Vor der eigentlichen Vorstellung wurde der Zuschauerraum der MET gezeigt, das hat wunderbar zum Rot in der Schauburg und den Kronleuchtern gepasst. Man hatte das Gefühl, »dabei« zu sein.

Weil ich von Oper keine Ahnung habe, verweise ich auf die Kritik bei »Dich, teure Halle«. Dem Text dort kann ich in weiten Teilen zustimmen. Von der Stimme her hat mir John Osborne am besten gefallen, schwer beeindruckt war ich von Lawrence Brownlee, der sich im dritten Akt unglaublich gesteigert hat. Und dieses wunderbare Tenortrio ... Renée Fleming in der Titelrolle hat natürlich auch sehr schön gesungen; von Darstellung und Ausstrahlung her passt sie für mich nicht so ganz in die Rolle der bösen Hexe; hat mich eher an die gute Fee in »Cinderella« erinnert.

Zur Technik. Das Bild hatte natürlich Breitwandformat 1.85:1, damit es auf 16:9-Fernsehern keine schwarzen Streifen gibt, ;-) die Farben waren ein wenig blaß, überhaupt hatte ich den Eindruck von »Video-Kamera-Look«. Das sind aber nur kleine Mängel. Generell finde es es hochinteressant, einen Blick auf sonst meist unerreichbare Opernaufführungen in den besten Häusern mit den besten Sängern werfen zu können. Die lokalen Opernhäuser werden sich über die Konkurrenz sicher nicht freuen.

Für Insider: habe bis über beide Ohren gegrinst, dass die Veranstaltung gesponsort wurde von »The Neubauer Family Foundation«.

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Wednesday, 22. July 2009

When shall we three meet again?

Posted by Klaus

Ich wollte ja schon immer einmal in die Oper. Schmetternde Heldentenöre, keifen koloratursingende Sopranistinnen … Für Anfänger wird gern Mozarts »Zauberflöte« oder der »Schreifritz« von Weber empfohlen; das habe ich ignoriert und das Angebot einer Freundin angenommen, mit ihr nach Mannheim in Verdis »Macbeth« zu gehen.

Ich hielt mich für gut vorbereitet, schließlich kenne ich Terry Pratchetts Buch »Macbest«, besitze ein paar CDs mit Tenorarien und sicherheitshalber hatte ich zuvor die Wikipedia-Zusammenfassung der Oper gelesen. Gespannt wartete ich auf den Abend. Ein heißer Tag, sicher nicht optimal fürs Zuhören, zum Singen auf einer mit Scheinwerfern aufgeheizten Bühne schon gar nicht.

Das Folgende habe ich direkt nach der Aufführung auf der Heimfahrt im Zug ins Notizbuch gekritzelt. Man möge auch berücksichtigen, dass ich von Oper (noch) keine Ahnung habe ;-).

Es war überwältigend. Mehr als 60 Mitwirkende auf der Bühne (Solisten, zwei Chöre, Bewegungschor), dazu das Orchester und ein ausverkauftes Haus - grandios. Das Stück selbst war mir ein wenig zu sopranlastig. Und die Musik angesichts der dramatischen Texte (den Übertiteln in Arial sei Dank auch verständlich) manchmal ein wenig zu fröhlich. Verdi eben. Erst im vierten Akt kommt die heissersehnte Tenorarie (Charles Reid als Macduff). Während der Bariton in der Rolle des Macbeth (Karsten Mewes) den ganzen Abend ackert wie ein Pferd, erhält der Tenor den stürmischsten Applaus. Fast wie beim Schlagzeugsolo in der Bigband.

Die Inszenierung fand ich zu statisch; der Chor friert immer wieder ein und bewegt sich zwischendurch wie in einem Stück von Robert Wilson. Dafür wird die Drehbühne ausgiebig als Karusell benutzt, natürlich steigt der Bühnenboden schräg nach hinten an und sogar die unvermeidliche Rückprojektion kommt zu einem kurzen Einsatz. Bühnenbild und Requisite sind spartanisch, als Kostüme dienen überwiegend Trenchcoats. Die Beleuchtung schien ein wenig von Rockkonzerten inspiriert: der Solist hatte meistens einen Verfolger. Anstelle dreier Hexen (ist das bei dieser Oper immer so?) war der ganze weibliche Choranteil als Schaufensterpuppen zurecht gemacht unterwegs.

Ich muss gestehen, dass mir der Tenor am besten gefallen hat, natürlich auch der Bariton in der Titelrolle. Die Sopranistin (Galina Shesterneva) war ganz gut, aber nicht mein Fall. Beim Orchester war ich von Flöte, Klarinette und Englischhorn (oder wars Oboe?) begeistert. Überhaupt: als "U-Musiker" vergißt man leicht, dass Orchestersolisten und Opernsänger einen riesigen Saal mühelos ohne jegliche Verstärkung durch Elektronik füllen können.

Fazit: »Macbeth«, meine erste erlebte Oper, wird sicher nicht meine Lieblingsoper (es fehlen einfach ein paar »Gassenhauer«). Aber es bleibt mit Sicherheit nicht mein einziger Opernbesuch. In der nächsten Saison stehen »Carmen« und »Turandot« auf dem Spielplan. Klingt interessant.

Wer sich selbst ein Bild machen will: »Macbeth« steht nur noch am 29. Juli 2009 auf dem Programm.

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Friday, 8. August 2008

Drama

Posted by Klaus

Über die Telekomwerbung und die unglaubliche Geschichte von Paul Potts bin ich beim Thema Oper gelandet. Bisher habe ich von dieser Musikrichtung so gut wie nichts im Regal und live gehört habe ich auch leider noch keine.

Mittlerweile habe ich die Paul-Potts-CD gekauft (der Mann hat einfach eine schöne Stimme und eine ordentliche Technik) und bei der Gelegenheit auch eine CD von Pavarotti mit Puccini-Arien mitgenommen. Das sind natürlich ganz gegensätzliche Welten.

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Thursday, 31. July 2008

Ready when you are

Posted by Klaus

Nein, es geht nicht um Hannibal Lecter. Es geht um ein Märchen, das schon ein Jahr alt ist.

Im Jahr 2007 erscheint ein Handyverkäufer beim Britischen Talentwettberb und kündigt Operngesang an. Die Jury verdreht die Augen und gibt mit »Ready when you are« die Bühne frei. Und dann geschieht das hier.

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