Monday, 15. June 2009

Bericht vom 2. Widescreen Festival - Teil 3

Nach einer kurzen Einführung von Wolfram Hannemann dann einer der Höhepunkte:

VERTIGO – AUS DEM REICH DER TOTEN

(Vertigo / USA 1958)

Alfred Hitchcocks »Vertigo« lief in einer von Robert A. Harris 1996 restaurierten Fassung in 70mm mit DTS-Ton. Den Inhalt des Films kennt sicher jeder, deshalb schenke ich mir eine Zusammenfassung.

Es gab einige Dinge, die mir nicht gefallen haben. Das meiste davon lag vermutlich nicht an der Restaurierung, sondern an den Aufnahmen selbst. Da gab es Szenen wie z. B. auf dem Friedhof, bei denen mit starkem Weichzeichner gearbeitet wurde. Sah aus, als hätte man Nivea-Creme auf das Objektiv geschmiert. Bei der anschließenden Diskussion meinte jemand, dass Hitchcock damit andeuten wollte, dass das eine Art Tagtraum sei. Wenn das so ist, ist es meiner Meinung nach mißlungen. In der Form gab es einige Szenen, die einfach merkwürdig aufgenommen waren.

Die Farben waren stellenweise recht unnatürlich. Dazu gab es einige schwarze Laufstreifen, über die ich mich bei dieser relativ neuen Kopie gewundert habe. Eine Zeitlang gab es einen Streifen genau in der Mitte und später sogar drei gleichmäßig verteilt. Sah schon fast aus wie schlechtes Cinerama ...

Der Film war ursprünglich kein Kassenschlager; wie ich hörte sei Hitchcock der Ansicht gewesen, dass James Stewart daran die Schuld trüge und zu alt sei. Das finde ich nicht. Stewart spielt hervorragend; allerdings in einer ganz ungewohnten Rolle als Ermittler mit Höhenangst und eine Zeitlang sogar nicht ansprechbar in der Psychiatrie sitzend (das ist für Stewart genauso ungewöhnlich wie wenn man Henry Fonda kleine Kinder erschießen liese ;-))

Fazit: Der Film ist gut, die Musik von Bernard Herrmann von gewohnter Klasse, die Bildqualität ist nicht ganz so gelungen, was ich aber der mir teilweise unverständlichen Aufnahmetechnik zuschreibe, nicht der Restauration. Ach, fast vergessen: der im Nachbarsaal laufende »Terminator 4« war manchmal etwas störend.

Beim anschließenden Widescreen-Get-together mit Hoepfner Bier wurde lebhaft über den Film diskutiert und gefachsimpelt. Hat Spaß gemacht und war ein schöner Ausklang für den ersten Festivaltag.

weiter im Teil 4

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Friday, 12. June 2009

Bericht vom 2. Widescreen Festival - Teil 2

Am Samstag hatte ich einen Auftritt mit der Bigband, weshalb ich die ersten beiden Filme des Festivals »König der Freibeuter« (The Buccaneer / USA 1958) und »Geisha-Boy« (The Geisha Boy / USA 1958) verpasst habe.

Fast hätte ich es rechtzeitig zum dritten Film geschafft, wenn nicht die Suche nach einem Parkplatz so lange gedauert hätte. Das ist bei der »Schauburg« oft ein Problem. Am besten benutzt man öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder stellt sich ins Parkhaus des Staatstheaters. Naja, ich habe nur ein paar Minuten des Anfangs versäumt.

»One-Eyed Jacks«

(USA 1961)

Nach einem Bankraub wird Rio (Marlon Brando) von seinem Freund und Partner Dad Longworth (Karl Malden) im Stich gelassen und landet im Gefängnis. Nach Jahren kann er ausbrechen und macht sich auf die Suche nach seinem Kumpan, um Rache zu nehmen. Der ist mittlerweile in einer kleinen Stadt Sheriff geworden, verheiratet (Katy Jurado) und hat eine Stieftochter (Pina Pellicer).

Zusammen mit drei Verbrechern (darunter Ben Johnson) plant Rio, die Bank dieser Stadt auszurauben und anschließend den Sheriff zu töten. Vorher nutzt er die Gelegenheit, die Stieftochter Longworths zu verführen; allerdings verliebt er sich dabei in sie ...

»One Eyed Jacks« ist in mehrfacher Beziehung ein außergewöhnlicher Film. Es ist die einzige Regiearbeit Marlon Brandos (der für den ausgestiegenen Stanley Kubrick eingesprungen war) und ich muss sagen, er hat diesen Job sehr, sehr gut gemacht. Alle Darsteller spielen mit Verve, allen voran Karl Malden, der hier von freundlich bis bösartig die ganze Palette seines Könnens zeigt. Auch von der mir bisher völlig unbekannten Pina Pellicer war ich restlos begeistert. Die Nebenrollen sind ebenfalls ausgezeichnet besetzt und gespielt: Katie Jurado, Ben Johnson, Slim Pickens (Danke für den Hinweis, Christian!) und so weiter.

Dazu kommt eine wirklich packend erzählte Geschichte, die sich zum Ende hin mehr und mehr steigert. Interessant sind auch die Schauplätze; Western, die an der Meeresküste spielen sind eher selten. Großes Lob auch für Kameramann Charles Lang, der auch bei dem am Folgetag gezeigten »Gunfight at the OK Corral« mitwirkte.

Einziges Manko war für mich das Genuschel von Marlon Brando, der sonst hervorragend spielte. Ihn habe ich zum ersten Mal im Original-Ton gehört und hatte ziemliche Probleme ihn zu verstehen. Nun ja.

Vor lauter Begeisterung über den Film habe ich völlig vergessen auf Bildqualität, Schärfe, Kopienqualität usw. zu achten – ich bin eben kein Filmvorführer. Mir ist nur in Erinnerung geblieben, dass ich das Bild als sehr angenehm empfand. Scharf, schöne Farben, kaum Laufstreifen, IMHO eine gute Kopie. Für das Alter geradezu erstaunlich.

Danach gab es einen Imbiss, der für Festivalpassbesitzer inklusive war. Sehr leckeres und zum Film passendes Chili oder Gyros mit Bratkartoffeln. Wirklich gut und in großzügiger Menge. Auch die Pause bis zum nächsten Film fand ich ausreichend lang.

weiter zum Teil 3

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Thursday, 11. June 2009

Bericht vom 2. Widescreen Festival - Teil 1

Am 6. und 7. Juni 2009 fand in der »Schauburg« in Karlsruhe das »2. Widescreen Festival« statt. Während beim 1. Festival im vergangenen Jahr das Thema CinemaScope im Mittelpunkt stand, ging es dieses Mal um VistaVision, Technicolor und Perspecta Sound.

Alamo

(The Alamo / USA 1960)

Am Vorabend des Festivals gab es eine 70mm-Vorführung von »Alamo«. Das ist die einzige Regiearbeit von John Wayne und meiner Meinung nach ist das auch gut so. In vielen Szenen stehen im Hintergrund ein Dutzend Statisten, die überhaupt nichts tun. Wenn sie wenigstens gespannt den Hauptdarstellern zusehen würden. Machen sie aber nicht. Stehen einfach nur gelangweilt in der Gegend herum.

Von den Dialogen war ich angenehm überrascht; die waren nicht halb so pathetisch wie ich angesichts des Themas erwartet hatte. Was ein wenig irritiert ist die Synchronisation. Die Stimme von Arnold Marquis verbinde ich normalerweise automatisch mit John Wayne, hier spricht er Richard Widmark. Positiv ist mir die Musik Dimitri Tiomkins aufgefallen, das ist ein richtiger Ohrwurm.

Generell ist der Film zu lang. Ketzerischer Vorschlag: man hätten den Film einfach mit der Pause enden lassen und den bekannten Rest (Festung eingenommen, alle männlichen Verteidiger tot) einfach als Texttafel zeigen sollen.

Die Farben der 70mm-Kopie waren erwartungsgemäß recht stark verblichen; am Ende waren einige Szenen nicht synchronisiert. Mal sehen, wie das Werk nach der geplanten Restaurierung aussieht.

weiter zum Teil 2

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Tuesday, 26. May 2009

Nachts im Museum 2

Larry: »Wie ist unser Plan?«
General Custer: »Plan? Wir sind Amerikaner. Wir handeln zuerst!«

Normalerweise schreibe ich meine Meinung zum Film am Tag danach, was gerade aus verschiedenen Gründen dieses Mal nicht geklappt hat. Nur ganz kurz und ohne die üblichen Infos zu Stab und Darstellern (steht eh' auf IMDB): der Film bietet gute, solide Unterhaltung. Was will man mehr bei einer Komödie mit Ben Stiller?

Sicher hatte der erste Teil die abwechslungsreicherer Handlung. Trotzdem vergingen die 105 Minuten wie im Flug. Und ich habe bei vielen Stellen lauthals gelacht. Ich sage nur die Szene mit dem Wächter und der Taschenlampe. Der grausame Pharao mit dem Sprachfehler. Oder die Herren von Mission Control, die unbedingt ihre Rakete im Museum zünden wollen. Und Star Wars kriegt nebenbei auch sein Fett ab (wie schon Edna 'E' Mode sagte: no capes!). Und der Soundtrack von Alan Silvestri ist Klasse.

4 von 5 Sternen.

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Wednesday, 13. May 2009

Illuminati

»Hurra, der Symbologe ist da.«

»Illuminati« (Angels and Demons), USA 2009

Regie: Ron Howard, Drehbuch: David Koepp und Akiva Goldsman nach dem Roman von Dan Brown, Kamera: Salvatore Totino, Schnitt: Daniel P. Hanley und Mike Hill, Musik: Hans Zimmer

Darsteller: Tom Hanks, Ewan McGregor, Ayelet Zurer, Stellan Skarsgård, Armin Mueller-Stahl

Der Film hat ein Problem: fast jeder hat das Buch gelesen und weiß ungefähr, was bei dieser Schnitzeljagd durch Rom kommt und wer's war. Was könnte schlimmer sein bei einem Thriller?

Trotzdem ist der Film recht unterhaltsam geworden. Und Gott sei Dank hat man auf eine extrem unrealistische Szene aus dem Buch gegen Ende verzichtet. Die Schauspieler machen ihren Job ganz passabel, mehr nicht. Einzig Ewan McGregor ragt etwas hervor. Die Musik von Hans Zimmer ist ganz nett, die Ausleuchtung fand ich recht düster, die Kopie ziemlich körnig.

Ich hätte doch den Weg nach Karlsruhe zur englischen Originalfassung auf mich nehmen sollen, die Akzente mancher Personen waren in der Synchro extrem gekünstelt. Und es würde mich interessieren, wie der Film in der digitalen Version aussieht (außerdem hat es der Vorführer geschafft, die ersten paar Minuten das Licht anzulassen, naja, vermutlich ein Vorführer für ein Dutzend Säle).

Ganz passable Durchschnittsware, die man nicht gesehen haben muss. Das Buch ist allemal spannender!

3 von 5 Sternen.

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Thursday, 7. May 2009

Star Trek

Spock: »We are traveling at warp speed. How did you manage to beam aboard the ship?«
Kirk: »You're the genius. You figure it out.«
Spock: »As acting Captain of this vessel, I order you to answer the question.«
Kirk: »Well, I'm not telling, acting Captain.«

»Star Trek«, USA 2009
Director: J. J. Abrams, Buch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Kamera: Daniel Mindel, Schnitt: Maryann Brandon, Mary Jo Markey, Musik: Michael Giacchino, Visuelle Effekte: Industrial Light and Magic
Darsteller: Chris Pine (James T. Kirk), Zachary Quinto (Spock), Leonard Nimoy (Spock), Karl Urban (Dr. Leonard 'Bones' McCoy), Zoe Saldana (Nyota Uhura), Simon Pegg (Scotty), John Cho (Hikaru Sulu), Anton Yelchin (Pavel Chekov), Bruce Greenwood (Capt. Christopher Pike), Ben Cross (Sarek) und Eric Bana (Nero)

Bisher habe ich im Kino selten erlebt, dass das Publikum beim Abspann zu applaudieren beginnt. Bei »Star Trek« in der englischsprachigen Vorpremiere war es so.

Ich muss vorweg schicken, dass ich mit Raumschiff Enterprise aufgewachsen bin. Samstags ging es in die Badewanne und danach um 18 Uhr vor den Fernseher. War schon immer eine meiner liebsten Fernsehserien. Und der neue Film ist meiner bescheidenen Meinung nach einer der besten aus der Kinoserie von Star-Trek-Filmen! (fast besser als Teil 2 und fast so gut wie Teil 6) Schon nach der Pre-Titel-Sequenz war ich restlos begeistert.

Episodenhaft wird der Lebensweg von Kirk, Spock und Uhura erzählt, bis schließlich alle aus der Serie bekannten Charaktere nach und nach auf der »Enterprise« zusammenkommen. Durch einen genialen Drehbucheinfall, den ich hier nicht verraten möchte hat man es geschafft, sich von einigen aus der Serie bekannten Teilen der Vorgeschichte zu befreien. Das ist schlüssig gemacht, wirkt nicht konstruiert und bietet den Vorteil, das Kirk sich nicht über verschiedene Raumschiffe zur Enterprise »hochdient« sondern gleich dort landet.

Die Schauspieler sind gut gewählt und jeder aus der späteren Stammcrew hat wenigstens eine liebevoll gestaltete Szene. Vor allem Mr. Chekov rettet mehr als einmal die Hauptpersonen aus kniffligen Lagen. Sein Akzent ist einfach göttlich, ebenso der von Mr. Scott (die Vorpremiere in der Karlsruher »Schauburg« war im Originalton). Die Sets sind alle beindruckend; es wirkt zum ersten Mal glaubhaft, dass die Enterprise eine vierhundertköpfige Besatzung hat.

Der Film hat trotz Laufzeit von 126 Minuten keine Längen, er ist durchweg spannend, ohne dass der Humor zu kurz käme. Und ILM zeigt, dass sie bei Raumschlachten immer noch einsame Spitze sind. Lediglich die Musik fand ich ein bischen schwach, da hätte ich mir einen Soundtrack von James Horner gewünscht, der z. B. die Musik zu »Star Trek 2: Die Rache des Khan« geschrieben hat.

Das Team um Regisseur J. J. Abrams hat das Kunststück fertiggebracht, zu einer Fernsehkultserie ein ausgezeichnetes Prequel zu liefern.

Seltene Wertung: 5 von 5 Sternen. Wer auch nur ein bischen was fürs gute alte Raumschiff Enterprise übrig hat, *muss* den sehen.

Nachtrag: Kritiken von hartgesottenen Trekkies gibt es (auf englisch) bei Harry Knowles. Von den Jungs, die bei der unangekündigten Vorpremiere in Texas waren.

Weitere Kritiken und Kommentare:

Ach ja: forget Star Wars :-P

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Tuesday, 21. April 2009

Crank 2

Völlig überdrehter, brutaler, sexistischer, politisch unkorrekter aber extrem unterhaltsamer Trash, neben dem ein Tarantino-Streifen wie ein beschaulicher Familienfilm wirkt. Von der Optik eher Videospiel als Kinofilm, die Story keine richtige Fortsetzung, sondern eher eine durchgeknalltere Neuverfilmung von Teil 1.

Der Titel bringt es auf den Punkt: Crank hoch 2.

4 von 5 Sternen

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Friday, 27. March 2009

Le Grand bleu - Im Rausch der Tiefe

»Le Grand bleu – Im Rausch der Tiefe«, Frankreich 1988
Regie, Buch, Produktion: Luc Beson, Musik: Eric Serra, Kamera: Carlo Varini, Schnitt: Olivier Mauffroy
Darsteller: Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, viele Delfine
Trailer bei IMDB

Ich war zum ersten Mal in der Classic-Sneak in der Schauburg. Zu Anfang waren wohl alle irritiert, als ein Unterwasserfilm nur mit Musikuntermalung im Format 1:1,37 anfing. Nach vielleicht einer viertel Stunde war aber schon Schluß – es gibt sie noch: die Vorfilme. Vorhang auf für den Hauptfilm im Format 1:2,22.

Der Film führt uns in die kleine Welt der sogenannten Apnoe-Taucher, die ohne jegliches Gerät in unglaubliche Tiefen vorstoßen. Die alten Freunde Jacques und Enzo stellen im Wettkampf einen Weltrekord nach dem anderen auf.

Während Enzo (Jean Reno) ein richtiger Lebemann ist (ok, nicht ganz, schließlich fährt er einen uralten Fiat) und das Spektakel liebt, ist Jaques (Jean-Marc Barr) sehr introvertiert. Er versteht sich besser mit Delfinen als mit Menschen. Das macht es schwierig für Johana (Rosanna Arquette), die sich auf den ersten Blick in Jaques verliebt hat.

Auf mich hat das Werk einen zwiespältigen Eindruck gemacht. Die Tauchszenen sind packend inszeniert und sehr gut gefilmt, die Landschaftsaufnahmen sind gelungen und es gibt viele starke Bilder.

Nicht so gut fand ich die Rolle von Rosanna Arquette, die am Anfang eine Karrikatur einer kurzsichtigen Blondine spielt, die nur kurz durch ihre Brille linst und sie anschließend versteckt. Die mit Stöckelschuhen zum Camp einer Expedition in Peru reist. Und die ab etwa der Mitte des Films von jetzt auf nachher keine Brille mehr braucht, in Jeans und Hemd herumläuft und sogar die Wohnung streicht.

* Achtung Spoiler, ich verrate ausnahmsweise Teile vom Ende *

Continue reading "Le Grand bleu - Im Rausch der Tiefe"

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Tuesday, 24. March 2009

Watchmen

»Who watches the watchmen?«

»Watchmen«, USA 2009
Regie: Zack Snyder, Drehbuch: David Hayter und Alex Tse nach dem gleichnamigen Comic von Alan Moore (Text) und Dave Gibbons (Zeichnungen), Kamera: Larry Fong, Schnitt: William Hoy, Musik: Tyler Bates
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Jackie Earle Haley, Patrick Wilson, Malin Akerman, Matthew Goode, Billy Crudup
Trailer bei YouTube

Amerika in den 80er Jahren, mitten im kalten Krieg mit der Sowjetunion; das Gespenst eines Atomkriegs steht vor der Tür. Nixon wurde mehrfach als Präsident wiedergewählt, der Vietnamkrieg gewonnen. Erzählt wird die Geschichte der Superhelden (die im Vergleich zu Superman fast alle gar nicht so Super sind) im Ruhestand, weil ihnen die Verbrecherjagd per Gesetz verboten wurde. Als einer von ihnen ermordet wird, wittert der Detektiv Rorschach eine Verschwörung gegen ehemalige Gesetzeshüter und versucht, die alten Kämpfer wieder zusammenzutrommeln.

Mehr möchte ich gar nicht schreiben; dazu ist die Handlung viel zu komplex. Allein im genialen Vorspann wird mehr an Story untergebracht, als in anderen Filmen steckt. Die Geschichte wird in Rückblenden und vielen scheinbar nicht zusammenhängenden Episoden erzählt, zum Teil mit einer blutigen Brutalität, dass ich mich wieder einmal wunderte, wie die Freigabe ab 16 zu Stande kommt.

Die Schauspieler kannte ich bisher alle nicht; die meisten blieben auch ziemlich blaß. Es waren einfach zu viele Helden auf einem Haufen ;-) Irritiert hat mich das Fluggerät von Night Owl, das mich doch sehr an das Fliewatüüt erinnert hat.

Alles in allem hat mir der Film gut gefallen. Und nach meinen vierstündigen 70mm-Erfahrungen fand ich die Spielzeit von 162 Minuten gar nicht so lang. Ein einziges Mal dachte ich »hey, jetzt hängt der Film gerade durch« (beim Dark Night dachte ich das andauernd). Die Kameraführung ist erfreulich ruhig, man verliert nie den Überblick bei Actionszenen und das Bild ist scharf und interessant ausgeleuchtet. Der Synchronsprecher von Rorschach hat einen Preis (und Halstabletten) für seinen Job verdient. Den Comic kenne ich bisher nicht; vielleicht hole ich das noch nach.

Vermutlich wird der Film nicht sehr erfolgreich bei uns; der Comic ist einfach zu unbekannt. Dazu passt der Film in keine Schublade. Für einen Actionfilm zu dialoglastig und komplex, andererseits zu viele Splattereffekte.

Vier von fünf Sternen.

Ach, noch was zur Musik: könntet ihr bitte die Verwendung von Popsongs in Filmen Quentin Tarantino überlassen? Der kann das. Nenas 99 Luftballons waren schon ... überraschend. Und dieses Halleluja wollen wir ganz schnell vergessen.

Der »Abspannsitzenbleiber« kennt den Comic und hat eine interessante Kritik zum Film geschrieben

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Tuesday, 17. March 2009

Cleopatra

»We build big monuments for our deads.
You burn them like rubish.«
Cleopatra bei Cäsars Feuerbestattung
(sicher mit Schreibfehlern ...)

Auch bei Cleopatra verweise ich auf die üblichen Quellen Wikipedia und IMDB. Der Film ist viel zu lang, um eine Inhaltsangabe zu schreiben. In der IMDB kann man auch nachlesen, dass der Regisseur angeblich darauf spekuliert habe, den Film in zwei Teilen ins Kino zu bringen.

Und genauso kam er mir auch vor. In der ersten Hälfte gibt Rex Harrison einen überragenden, freundlichen Cäsar, mit witzigen und geschliffenen Dialogen, während in der zweiten Hälfte ein trinkender und sich selbst bemittleidender Marc Anton brilliant von Richard Burton gespielt wird. Elisabeth Taylor als Cleopatra trägt wirklich in jeder Szene ein anderes Kostüm; lt. IMDB sollen es 65 Stück gewesen sein. Ihre schauspielerische Leistung sollte man darüber natürlich nicht vergessen ;-)

Völlig irritiert hat mich Martin Landau, der mir aus meiner Kindheit nur als Chef von Mondbasis Alpha 1 bekannt war. Bei den römischen Senatoren habe ich auch ein bekanntes Gesicht entdeckt; die IMDB bestätigt, dass es tatsächlich Desmond Llewelyn war, dem gemeinen Kinogänger als Waffenmeister Q aus den James-Bond-Filmen bekannt.

Die gezeigte 2006 restaurierte Kopie hat mir als Laien gut gefallen, während die anwesenden Experten sich einig waren, dass alles viel zu dunkel war und Farben und Kontrast nur ein müder Abklatsch dessen, was ursprünglich zu sehen war. Mangels Vergleichsmöglichkeiten kann ich das nicht beurteilen, ich muss aber gestehen, dass mir eine nicht ganz perfekte Farbkopie lieber ist als ein fast monochromes rot-weißes Original. Steinigt mich :-)

Es hat mir großen Spaß gemacht, diesen Film endlich im Kino sehen zu können. Cleopatras Einzug in Rom ist Klasse! Überhaupt entfaltet dieser Film im Fernsehen (wenn er denn gezeigt wird) nur einen Bruchteil seiner Wirkung.

Bedanken möchte ich mich beim Deutschen Filmmuseum und natürlich bei den Fachleuten, die sich bereitwillig von mir Löcher in den Bauch fragen ließen und geduldig alles beantworteten. Ich hoffe man sieht sich, spätestens im Oktober in der Schauburg zum 5. Todd-AO-Festival.

PS: die Festivalseite des Filmmuseums wurde ergänzt um Links zu Artikeln auf in70mm.com und vermutlich eigens geschriebene Beiträge von Jean-Pierre Gutzeit.

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Kommentare

Sun, 20.05.2012
Danke. 2008 sahen Spitzenplätze ähnlich aus: Blue note (23,8), Swing Kids (23,5), Big Stuff (22,3). Das Jellyfish Jazz Orchestra gab es damals noch gar nicht! Eine großartige Leistung. [...]
Sun, 20.05.2012
Knapp. Platz 4 finde ich trotzdem ein sehr gutes Ergebnis, Glückwunsch!
Sat, 19.05.2012
Hallo Winfried, vielen Dank. Schade, dass ich Dein Ensemble nicht gehört habe. Klingt spannend. Und meinen Glückwunsch zu 21 Punkten! Viele Grüße, Klaus
Sat, 19.05.2012
Na dann herzlichen Glückwunsch zum Ergebnis in Hildeshein. Ich habs mir auch gerade online auf der Seite des Musikrates angesehen. Eine tolle Leistung. 22,7 Punkte ist ja ganz, ganz nah drann an [...]
Winfried Bauer (blocki) about Daumen drücken?
Fri, 18.05.2012
Hallo u1amo01! Als ich diese Website las, kam mir der Domain-Name gleich sehr, sehr bekannt vor. Wie ist es beim Orchesterwettbewerb in Hildesheim gelaufen? Ich habe fest die Daumen gedrückt! [...]

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Mein Conn 10m Tenorsaxophon

Mein Conn 10M Tenorsaxophon von 1936

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