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Armida

... ach, ich schreib einfach in meinem Schulenglisch an die MET in New York. Liest ja sowieso keiner.

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Liest keiner? Weit gefehlt. Die schreiben sogar innerhalb von fünf Tagen eine sehr ausführliche Antwort und entschuldigen sich dafür, dass es so lange gedauert hat! Eh? Ist der Kerl jetzt völlig übergeschnappt? Wieso schreibt er an die Metropolitan Opera?

Ganz einfach: letzten Samstag war ich zum ersten Mal zur Oper im Kino. In der »Schauburg« wurde Rossinis selten gespielte »Armida« live aus der New Yorker MET übertragen mit Renée Fleming (Armida), Lawrence Brownlee (Rinaldo), John Osborne (Goffredo), Barry Banks (Gernando/Carlo), Kobie van Rensburg (Ubaldo) und Riccardo Frizza (Dirigent). Die »Liebe« wurde von der wirklich bezaubernden Teele Ude (Danke, MET!) gespielt.

Zunächst war ich überrascht, dass bis auf die ersten beiden Reihen alles ausverkauft war. Die Besucher würde ich als typisches Konzertpublikum bezeichnen, ein bischen festlicher gekleidet, Altersdurchschnitt über 60. Die »Schauburg« hatte sich große Mühe gegeben, auf das Publikum einzugehen und die Veranstaltung zu etwas besonderem zu machen: das Personal war festlich gekleidet, es gab eine Garderobe und in der Pause einen zusätzlichen Stand mit Sekt und Orangensaft. So hätte ich das auch gerne für die Premiere großer Kinofilme!

Vor der eigentlichen Vorstellung wurde der Zuschauerraum der MET gezeigt, das hat wunderbar zum Rot in der Schauburg und den Kronleuchtern gepasst. Man hatte das Gefühl, »dabei« zu sein.

Weil ich von Oper keine Ahnung habe, verweise ich auf die Kritik bei »Dich, teure Halle«. Dem Text dort kann ich in weiten Teilen zustimmen. Von der Stimme her hat mir John Osborne am besten gefallen, schwer beeindruckt war ich von Lawrence Brownlee, der sich im dritten Akt unglaublich gesteigert hat. Und dieses wunderbare Tenortrio ... Renée Fleming in der Titelrolle hat natürlich auch sehr schön gesungen; von Darstellung und Ausstrahlung her passt sie für mich nicht so ganz in die Rolle der bösen Hexe; hat mich eher an die gute Fee in »Cinderella« erinnert.

Zur Technik. Das Bild hatte natürlich Breitwandformat 1.85:1, damit es auf 16:9-Fernsehern keine schwarzen Streifen gibt, ;-) die Farben waren ein wenig blaß, überhaupt hatte ich den Eindruck von »Video-Kamera-Look«. Das sind aber nur kleine Mängel. Generell finde es es hochinteressant, einen Blick auf sonst meist unerreichbare Opernaufführungen in den besten Häusern mit den besten Sängern werfen zu können. Die lokalen Opernhäuser werden sich über die Konkurrenz sicher nicht freuen.

Für Insider: habe bis über beide Ohren gegrinst, dass die Veranstaltung gesponsort wurde von »The Neubauer Family Foundation«.

Der Mann mit der Todeskralle

Williams: »Bei deinem lustlosen Gefummel hole ich meinen Speer an der Garderobe und gehe zurück nach Afrika.«

»Der Mann mit der Todeskralle« (Enter the dragon, USA/Hongkong 1973)
Darsteller: Bruce Lee (Lee), John Saxon (Roper), Jim Kelly (Williams), Robert Wall (Ohara)
Buch: Michael Allin, Kamera: Gilbert Hubbs, Schnitt: Kurt Hirschler und George Watters, Musik: Lalo Schifrin, Regie: Robert Clouse

Die Geschichte hat man schon gesehen, entweder mit Jean-Claude van Damme, Chuck Norris (oder beiden?): Auf einer Insel findet ein großes Turnier statt, zu dem nur die Besten eingeladen werden und ein Teilnehmer (in diesem Film Bruce Lee) soll während des Aufenthalts nach Beweisen für dunkle Machenschaften suchen, um den Veranstalter hinter Schloß und Riegel zu bringen

Es hat Spaß gemacht, einmal einen Bruce-Lee-Streifen im Kino zu erleben. Sicher, die Dramaturgie der Geschichte ist ein bischen holprig und die Dialoge – siehe Zitat oben, wobei ich mir bei dem nicht sicher bin, ob es vielleicht erst bei der Synchronisation hineingeraten ist. Aber geschenkt; so einen Film schaut man sich wegen der Kampfszenen an, und die sind wirklich gut.

Bruce Lee ist im Vergleich zu allen Nachfolgern einfach den gewissen Tick schneller, eleganter und kraftvoller. Und strahlt manchmal eine Brutalität aus, gegen die Chuck Norris wie ein freundlicher Teddybär wirkt. Dazu ein wirklich guter Soundtrack von Lalo Schifrin – nette Unterhaltung.

Schade, dass es nicht für das Bier gereicht hat, das im Eintritt der XXL-Action-Reihe inbegriffen ist, dazu war ich leider zu spät dran. Das nächste Mal!

Sherlock Holmes

Irene Adler: »Warum bist Du immer so mißtrauisch?«
Holmes: »Soll ich chronologisch antworten oder alphabetisch?«

»Sherlock Holmes« (USA, 2009)
Darsteller: Robert Downey jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. Watson), Rachel McAdams (Irene Adler), Mark Strong (Lord Blackwood), Kelly Reilly (Mary Morstan), Robert Maillet (Dredger, der Franzose), William Houston (Constable Clark)
Buch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram nach Motiven von Sir Arthur Conan Doyle, Kamera: Philippe Rousselot, Schnitt: James Herbert, Musik: Hans Zimmer, Regie: Guy Ritchie

Holmes und Watson bringen einen Ritualmörder zur Strecke, gerade als er einen weiteres Opfer töten will. Der Täter entpuppt sich als Lord Blackmore, der mit schwarzer Magie herumexperimentiert und allerlei düstere Geheimnisse hat. Er wird hingerichtet und damit wäre der Fall eigentlich abgeschlossen, würde nicht ein paar Tage später ein Zeuge auftauchen, der steif und fest behauptet, dass Blackmore von den Toten auferstanden sei – und das Morden geht weiter.

Der Film wäre es allein wegen Robert Downey Jr. wert, dass man ihn sich anschaut. Das muss man gesehen haben, wie er einen völlig durchgeknallten Holmes gibt, dessen Geist so brilliant ist, dass er sich bei Langeweile und mangels interessanter Fälle beginnt selbst zu zerstören. Klingt jetzt vielleicht ein bischen theatralisch, ist aber so.

Dazu kommen die glänzenden Wortgefechte, die sich Holmes mit Dr. Watson (Jude Law) liefert, eine spannend erzählte Geschichte, schöne Frauen, die auch ganz schön biestig sein können, und ein origineller Soundtrack, bei dem ich nie vermutet hätte, dass er von Hans Zimmer stammt.

Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, ist dieses ständig düstere London, das in Braun- und Grautönen ertrinkt. Ein bischen mehr Licht und Glanz hat mir gefehlt.

Gut gemachtes Unterhaltungskino mit vielen witzigen Szenen. Der Schluss lässt auf eine Fortsetzung hoffen, auf die ich mich jetzt schon freue.

4 von 5 Sternen

PS: ist es eigentlich so schwierig, ein Kino so zu bauen, dass die Notausgangsbeleuchtung nicht ständig auf der Leinwand zu sehen ist? Dazu gab es einen hellen Streifen im rechten Bilddrittel, bei dem ich nicht herausfinden konnte, was ihn verursacht. Ein Jammer, dass der Film in meiner geliebten »Schauburg« nur auf englisch gezeigt wird ...

Bericht vom 5. Todd-AO-Festival 2009

Uff. Geschafft. 12 Kinofilme in 3 Tagen beim 5. Todd-AO-Festival in der Karlsruher »Schauburg«. Hier meine Eindrücke von den Filmen. Die Fotos die ich gemacht habe (auf Kleinbildfilm natürlich, worauf sonst?) kann man für eine große Version anklicken.

Ben Rumson (Lee Marvin): »Ich dachte du trinkst nicht?«
Partner (Clint Eastwood): »Nein, aber ich werde mich bessern.«

»Paint your wagon« zeigt eines der detailverliebtesten Filmgoldgräber-Camps, einen erstaunlich gut singenden Clint Eastwood (gute Intonation und Vibrato!) und einen umwerfenden Lee Marvin in seiner Rolle als verschrobenem Kauz. Jean Sebergs Gesang wurde in der Originalfassung »gedoubelt«, der deutsche Verleih hat diese Stücke gleich ganz weggelassen und den Film um rund 15 Minuten gekürzt. Ein netter kurzweiliger Festivaleinstieg mit einigen wirklich sehr komischen Dialogen.

Bei »Krakatoa - East of Java« ist sogar der Titel falsch, weil die Insel westlich von Java lag. Dazu waren viele Tricksequenzen schon gedreht, ehe es ein Drehbuch gab. Wie diese Tricks einen Oscar bekommen konnten (»sieht ja aus wie Augsburger Puppenkiste«), bleibt das Geheinmis des Preiskomittes. Das Bild dieses in Todd-AO gedrehten Werks war unglaublich scharf und vermittelte eine Ahnung davon, was mit diesem Verfahren möglich ist.

»Erster Sieg« – in erst einmal gewöhnungsbedürftigem Schwarzweiß – ist da ein ganz anderes Kaliber. Gute Schauspieler, Regie, Kamera und Musik – was will man mehr (vielleicht eine weniger düstere Story; geht bei der Thematik aber schlecht).

Viel charmanter und heiterer der Ausklang des ersten Festivaltags: »Faubourg 36«. Pierre Richard habe ich nicht erkannt (dabei war er als »Großer Blonder« ein Star der Kindertage), erst mit dem Abspann kam das Aha-Erlebnis.

Monsieur Faillot und die Übersetzerin

Dank des anwesenden Monsieurs Faillot (der die gekrümmte Leinwand der »Schauburg« mag) vom Arane-Kopierwerk und der Einführung von Wolfram Hannemann (die es zu jedem Film in deutschem und englischem Schwäbisch gab, Dankeschön!) konnte das Publikum viele Hintergundinfos erhalten, die ich Stunden später zu Hause in Stichpunkten notiert habe.

M. Faillot, Übersetzerin, Vorführer Vincent Koch

Gedreht wurde auf 35mm Kodak 500 ASA Film. Im Kopierwerk machte jemand eine flapsige Bemerkung, dass die Tanzszenen eigentlich gutes Material für 70mm seien. Eine probeweise so hergestellte Szene gefiehl dem Regisseur so gut, dass er eine komplette 70mm Kopie in Auftrag gab.

Dieses Unikat wurde in Karlsruhe mit DTS-Ton vorgeführt. Die Untertitel waren in Fleißarbeit von Vincent Koch erstellt worden und wurden per Digitalprojektor dazu projeziert.

M. Faillot

Wenn ich es richtig im Kopf behalten habe, lief die Kopieerstellung in folgenden Schritten: das Kameranegativ wurde mit 4k gescannt, die Bearbeitung erfolgte digital, das Ergebnis wurde auf 35mm-Material ausgegeben und davon dann ein 70mm Blow-Up erstellt. Die Kosten für die 70mm-Kopie beliefen sich auf ca. 6.000 EUR für den DTS-Ton und ca. 14.000 EUR für die 70mm-Kopie. Eine direkte Ausgabe des Digitalmaterials auf 70mm wäre nicht finanzierbar gewesen.

M. Faillot war der Meinung, dass eine Aufnahme auf 65mm-Filmmaterial und anschließende Vorführung mit 70mm im Kino immer noch die bestmögliche Qualität ergeben würde.

Nachdem wir uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet gestärkt hatten, ging es am Samstag weiter mit »Julius Caesar«. Marlon Brando, James Mason und Co. klangen vielversprechend; irritierend allerdings, dass es eine Verfilmung des Shakespeare-Stücks sei und für die Synchronisation der deutsche Text davon verwendet wurde, den einige vielleicht noch aus den gelben Reclam-Heftchen kennen. Meine Befürchtungen trafen dann auch voll ein: abgefilmtes Theater, ewige Monologe, wenig Dekoration, seltsam steife Massenszenen, mit Gewalt eingefügte unpassende kurze Schlachtszenen. Nö, das ist nicht mein Fall. Ich liebe Shakespeares Komödien, aber bitte im Theater, nicht im Kino.

Philipps DP70

Weiter gings mit Edeltrash: »Salomon und die Königin von Saba«, ein eigentlich teurer Film, der sich als Machwerk mit dürftigem Drehbuch und schlecht spielenden Schauspielern (»hat man Yul Brunner Botox gespritzt? Verzieht ja keine Miene«) in Pappkulissen erweist. Eindrucksvoll ist nur, dass man mit so viel guten Zutaten einen so bescheidenen Film machen kann. O Herr.

Danach kam Gott sei Dank »Dersu Uzala«, für mich eines der Highlights des Festivals. Altmeister Akiro Kurosawa hat in den Weiten der Taiga einen unglaublichen Film produziert. Allein die Szene, in der die beiden Hauptpersonen sich verirren und bei Sturm und einbrechender Dunkelheit gegen die Naturgewalten um ihr Leben kämpfen ist spannender als die beiden vorher gesehenen Filme zusammen. Großartige Bilder und Mitwirkende, die ihre Rollen nicht spielen sondern zu leben scheinen. Ganz großes Kino. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: eine weitere Vorführung ist für Sonntag, den 8. November 2009 um 15 Uhr geplant.

DP70 Detail

Nach dem Abendessen ein weiteres Highlight: eine neue Kopie des Films »Flying Clipper« die das amerikanische Fotokem-Labor im Auftrag des Bundesfilmarchivs für die Berlinale 2009 erstellt hat. Auf weiten Strecken sieht der Film aus wie neu; bei einigen Szene in praller Sonne sind die Gesichter unter den weißen Käppis der Matrosen fast nicht zu erkennen. Während einige Experten die Ansicht vertraten, dass die Kopie nicht optimal erstellt worden sei meinte der anwesende Kamermann des Films Heinz Hölscher, dass das an der Aufnahmesituation liegen würde (ein (!) 2kw Schweinwerfer, sonst nur available light). Der Film selbst hat mich nicht vom Hocker gerissen; Reiseberichte sind nicht mein Ding.

Philipps DP70

Am Sonntag gings los mit »That's Entertainment«, einer Zusammenstellung von großartigen Showszenen aus MGM-Musicals von Anfang an bis Ende der 50er (?) Jahre. Dazwischen erzählen Stars wie Fred Astaire, Gene Kelley und Elisabeth Taylor aus ihrer Zeit bei MGM. Besonders beeindruckend fand ich Clark Gable als Sänger; June Allyson; die Kinderstars Mickey Rooney und Judy Garland in ihren sogenannten Hinterhofmusicals; Gene Kelly, der all seine Stunts selbst machte; Fred Astaire, der völlig ohne CGI an Wänden und Decke steppte (und überhaupt viele Szenen in endlos langen Takes durchtanzte); unglaublich auch Donald O'Connor mit seiner Nummer »Make 'Em Laugh« im Film »Singing in the rain«. Ebenfalls bombastisch inszeniert die Wasserballettfilme mit Esther Williams usw.

»Im Reißwolf der Brutalität!«

Einziges Manko ist das etwas lieblos zusammengestellte Formatchaos, auch würde man sich längere Szenen wünschen. Anscheinend hat man da schnell etwas hauptsächlich fürs Fernsehen zusammengschnibbelt.

Danach kam der Film, über dessen Werbeslogan »Im Reißwolf der Brutalität« (Plakatfoto anklicken, rechts oben) wir uns schon das ganze Wochenende lustig gemacht hatten: »Die Verfluchten der Pampas«. Der Film war gar nicht schlecht. Ich musste mich zwar erst ein wenig daran gewöhnen, dass Robert Taylor weder Schwert noch Schild dabeihatte, aber am Ende gab es doch noch einen Fechtkampf. Kein großartiger Film, aber nette Unterhaltung.

Dieter Gäbler

Dieter Gäbler, der als Kameraassistent dabei war, erzählte uns von den Dreharbeiten, die in der nähe von Madrid stattfanden und sehr staubig waren. Ich fand es sehr interessant zuzuhören, auch wenn mir keine Fragen eingefallen sind ;-). Die kommen meistens erst hinterher. Beim Zusammenstellen dieses Beitrags habe ich z. B. erst bemerkt, dass Heinz Hölscher unter anderem bei Karl-May-Filmen mitgearbeitet hat. Nächstes Jahr bin ich besser vorbereitet!

»Der Untergang des römischen Reiches« hat auch seine Produktionsfirma mit in den Abgrund gerissen, weil er kein Kassenerfolg war.

Der Untergang des römischen Reiches

Der Film hat großartige Szenen und Bilder, gute Schauspieler, allen voran Christopher Plummer als Bösewicht, Alec Guiness, James Mason und Sophia Loren, allerdings ist die Story einfach zu langatmig. Und über die Musik, bei der Dimitri Tiomkin sich so viel Mühe gemacht hat, wollen wir den Mantel des Schweigens hüllen. Immerhin hält der Film immer noch den Rekord für das größte jemals gebaute Außenset. Und das sieht man auch. Da kann man die computergenerierten Bilder von »Gladiator« vergessen.

Experten im Gespräch

Zum Ausklang des Festivals ein netter kleiner Musicalfilm: »Funny Girl« mit Barbra Streisand und Omar Sharif. Wie viele Filme des Festivals hatte ich auch diesen vorher noch nie gesehen und ich war begeistert. Gute Schauspieler, tolle Shownummern und Kostüme (Schade dass es keine Lieder von Richard Rodgers waren), gute Story – neben »Dersu Uzala« mein Festivalfavorit. Und mutig von Omar Sharif, dass er selbst gesungen hat.

versammelte Fachleute

So, falls jemand diesen Artikel tatsächlich bis hierher gelesen hat, bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit. Außerdem vielen Dank an das Team von der Schauburg, das diese alten Filme wirklich optimal präsentiert hat. Außerdem möchte ich Thomas Hauerslev für seine ausgezeichnete Website in70mm.com danken, die natürlich auch einen umfangreichen Bericht mit vielen Fotos und den Einführungstexten vom 5. Todd-AO-Festival in Karlsruhe bietet.

Inglourious Basterds

Oberst Landa: [giddy] »That's a bingo!«
Lt. Raine: [Lt. Aldo and PFC. Utivich stare at him in confusion]
Oberst Landa: »Is that the way you say it: That's a bingo?«
Lt. Raine: »You just say bingo.«
Oberst Landa: »Ahhh! BINGO! What fun! But, I digress. Where were we?«

»Inglourious Basterds« (USA / Deutschland 2009)
Buch und Regie: Quentin Tarantino, Kamera: Robert Richardson, Schnitt: Sally Menke, Szenenbild: David Wasco, Stunt Double Laurent und Kruger: Zoë Bell, German Translation quality assurance: Tom Tykwer
Darsteller: Christoph Waltz (Oberst Hans Landa), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfus), Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Daniel Brühl (Fredrick Zoller), Diane Kruger (Bridget von Hammersmark), Michael Fassbender (Lt. Archie Hicox), Til Schweiger (Hugo Stiglitz)

»Inglourious Basterds« erzählt in scheinbar lose zusammenhängenden Kapiteln Geschichten aus dem von Nazis besetzten Frankreich. Im ersten Kapitel unterhält sich der SS-Oberst Landa (Christoph Walz) mit einem Milchbauern (Denis Menochet), im zweiten werden die sogenannten »Basterds« – eine amerikanische Truppe unter Leitung von Lt. Aldo »the Apache« Raine (Brad Pitt) – vorgestellt, die hinter den feindlichen Linien brutal und erfolgreich Angst und Schrecken verbreiten, im dritten Kapitel wird gezeigt, wie ein deutscher Kriegsheld (Daniel Brühl) eine französische Kinobesitzerin (Mélanie Laurent) umwirbt, danach geht es weiter mit der Operation »Kino« …

Filme von Quentin Tarantino sind immer sehr ... speziell. Man mag sie oder kann sie nicht ausstehen – ich bin ein Fan. Deswegen ist die folgende Lobeshymne mit Vorsicht zu genießen. ;-)

Die Trailer ließen ja einen tumben Gemetzelfilm vermuten. Weit gefehlt. Tarantino hat einen dialoglastigen Film mit vielen kammerspielartigen langen Szenen gedreht, die von kurzen aber um so heftigeren Gewaltausbrüchen unterbrochen werden. Die Bilder sind unbeschreiblich gut gelungen, Kameraführung, Beleuchtung, Bühnenbild und Requisite sind erstklassig. So stelle ich mir großes Kino vor.

Dazu exzellente Darsteller, die man gar nicht alle nennen kann. Erwähnen möchte ich den mir bisher unbekannten Christoph Walz, der einen Bösewicht spielt, wie man ihn so furchterregend lange nicht mehr gesehen hat, Mélanie Laurent, die so gut spielt wie sie aussieht, Daniel Brühl, der nicht nur charmant, sondern auch überraschend brutal aufspielt, Denis Menochet als wortkargen Bauern, Till Schweiger, Diane Kruger ... ein wunderbares Ensemble bis in die kleinsten Nebenrollen. So wird z. B. in einer Szene am Schluß die Stimme am anderen Ende einer Funkverbindung von keinem geringeren als Harvey Keitel gesprochen.

Überhaupt, die Sprache. Den Film *MUSS* man im Originalton hören, alles andere hat keinen Sinn. Tarantino hat es geschafft, alle Rollen mit Schauspielern der entsprechenden Nationalität zu besetzen und sprechen zu lassen. Und in wenigstens zwei Szenen funktioniert die Handlung nur durch die verschiedenen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch), weil z. B. Oberst Landa erst auf französisch und später auf englisch spricht (Christoph Waltz ist da ein Phänomen; er spricht all diese vier Sprachen fließend). Optimal war die in der »Schauburg« gezeigte Fassung mit deutschen Untertiteln. Die braucht man auch; Brad Pitt nuschelt fast so unverständlich wie Marlon Brando. Sein Italienisch dagegen ist ... göttlich.

Da der Film hauptsächlich in Berlin gedreht wurde, sieht man viele bekannte Gesichter im Hintergrund, z. B. Christian Berkel als Kneipenwirt oder Bela B. von den »Ärzten«. Überraschende Erfahrung.

Ebenfalls überrascht war ich zu Hause, als ich bei Recherchen zur verwendeten Musik über »Green Leaves of Summer« gestolpert bin, das ich eigentlich aus der Vorführung von »The Alamo« kennen sollte. Wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, wollte Tarantino ursprünglich Altmeister Ennio Morricone für den Soundtrack verpflichten, was nicht geklappt hat. So blieb es – wie bei Tarantino üblich – beim (gelungenen) Recycling von Filmmusikklassikern.

Der Film hat – kein Wunder bei 154 Minuten – einige wenige Längen; allerdings wüßte ich nicht, was man weg lassen sollte. Bei den Gewaltszenen hätte ich mir etwas weniger gewünscht; z. B. Skalpieren möchte ich nicht so detailliert sehen müssen. Und Lee Marvin (der mit seiner Rolle aus »Das dreckige Dutzend« als Vorlage diente) anstelle von Brad Pitt wäre göttlich gewesen.

Fazit: ein genial gemachter beeindruckender Film nicht für jedermann, unbedingt im Originalton anzusehen.

Fünf von fünf Sternen.

G.I. Joe

Comicverfilmungen sind ja schwer in Mode; neuerdings werden (siehe Transformers) auch Filme um Spielzeug bzw. Actionfiguren herumgebaut. Mal sehen, wie die Hollywood-Firmen das noch toppen wollen. Nachdem mir der Trailer für »G.I. Joe« gefallen hatte, bin ich in Erwartung von viel hirnlosem, CGI-lastigen unterhaltsamen Krachbum ins nächste Multiplex gefahren.

Entgegen meiner Erwartung hat der Film ein ordentliches Drehbuch mit wenigen Plotholes. Man macht sich Mühe, einigen der Hauptfiguren mit Rückblenden Hintergrund und Tiefe zu verleihen und berücksichtigt sogar die Schriftstellerregel, dass eine im 2. Akt auf dem Kaminsims liegende gezeigte Pistole spätestens im 5. Akt benutzt werden muss. Gute One-Liner für die liebevoll gezeichneten Sidekicks, dazu ein James-Bond-würdiges Finale. Überraschend.

Die schauspielerischen Leistungen sind erwartungsgemäß nicht so doll (wenn Dennis Quaid sich nicht so zurückhalten würde, könnte er alle an die Wand spielen), dafür sind die Effekte die besten, die ich seit langem gesehen habe. Natürlich ist das Ende so angelegt, dass eine Fortsetzung fast zwingend erforderlich ist.

Gutes Popcorn-Kino mit einem nicht üblen Drehbuch und bombastischen Effekten.

Vier von fünf Sternen.

Woodstock

Ein interessantes Zeitdokument. Den Filmschnitt fand ich genial, ebenso den Sound (4-Kanal-Magnetton). Wenn man sich die Drehbedingungen vergegenwärtigt (16 mm Filmkameras) geradezu unglaublich.

Bei der vorgeführten Version waren alle Dialoge synchronisiert und die Songs mit Untertiteln versehen. Das war gewöhnungsbedürftig, aber ganz gut gemacht. Nur manchmal etwas nervig, aber vermutlich haben einige der Leute auch im Original etwas, ähm, seltsam geredet :-)

Bei einigen Beiträgen hatte ich schon Probleme zu verstehen, wieso das Kult ist. Ein Liedermacher mit seiner Gitarre vor einer halben Million Menschen – heutzutage fast undenkbar. Joan Baez ist nicht so mein Fall (dieses Tremolo ...).

Aber die Joe-Cocker-Aufnahme (With a little help from my friends) allein macht den Film sehenswert. Ich bilde mir ein, die Aufnahme aus dem Radio zu kennen und ich hätte geschworen, dass da ein paar Background-Sängerinnen mit von der Partie sind. Stattdessen machen das der Bassist und der Gitarrist nebenbei noch mit. Eine Fünf-Mann-Band, unglaublich (Bass, Schlagzeug, Gitarre, Hammond-Orgel, Gesang).

Jimmi Hendrix, Santana und The Who waren auch beeindruckend. Schade, dass von fast allen Akteuren nur ein Titel gezeigt wurde.

Wirklich erstaunlich, mit welchen bescheidenen Mitteln man damals ausgekommen ist. Zwei Zeltplanen als Bühnendach, eine Batterie Marshall-Verstärker, ein paar Scheinwerfer – mittlerweile haben manche Schülerbands aufwendigeres Equipment.

Zu Hause angekommen habe ich entdeckt, dass der Film in irgendeinem Programm (WDR?) im Fernsehen lief. Das kann man sich allenfalls anhören, aber nicht ansehen. Beim in drei Teile gesplitteten Bild hat das Briefmarkenformat.

Für alle, die den Termin verpasst haben: die »Schauburg« plant für Mitte September eine erneute Vorführung Sonntagnachmittags. Termin wird noch bekannt gegeben.

Die Partei

»Die Partei« ist eine Art Dokumentation über Entstehung und Werdegang der Partei Die Partei. Er beginnt damit, dass sich die drei Gründungsmitglieder das besorgen, was für jeden Politiker das Wichtigste ist: einen grauen Anzug, Symbol von Seriosität, Solidität und Macht.

Weil die Kasse ähnlich knapp ist wie heuer bei der Piratenpartei, ist das ein Sonderangebot für 49 EUR von C&A. So gewappnet besucht man den Bundestag, um sich die Büros anzusehen, in die man nach dem Wahlsieg (»weniger als 90% der Stimmen wäre enttäuschend«) eventuell einziehen könnte.

Mehr will ich auch gar nicht verraten. Der Film hat wirklich irrwitzige Momente. Leider reichen die nicht ganz für 90 Minuten; vielleicht hätte man sich trauen sollen, ihn auf 60 Minuten zu kürzen. Trotzdem sehenswert. Und ein Jammer, dass die Partei nicht wieder für die Bundestagswahl zugelassen wurde.

Drei von 5 Sternen.