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Armida

... ach, ich schreib einfach in meinem Schulenglisch an die MET in New York. Liest ja sowieso keiner.

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Liest keiner? Weit gefehlt. Die schreiben sogar innerhalb von fünf Tagen eine sehr ausführliche Antwort und entschuldigen sich dafür, dass es so lange gedauert hat! Eh? Ist der Kerl jetzt völlig übergeschnappt? Wieso schreibt er an die Metropolitan Opera?

Ganz einfach: letzten Samstag war ich zum ersten Mal zur Oper im Kino. In der »Schauburg« wurde Rossinis selten gespielte »Armida« live aus der New Yorker MET übertragen mit Renée Fleming (Armida), Lawrence Brownlee (Rinaldo), John Osborne (Goffredo), Barry Banks (Gernando/Carlo), Kobie van Rensburg (Ubaldo) und Riccardo Frizza (Dirigent). Die »Liebe« wurde von der wirklich bezaubernden Teele Ude (Danke, MET!) gespielt.

Zunächst war ich überrascht, dass bis auf die ersten beiden Reihen alles ausverkauft war. Die Besucher würde ich als typisches Konzertpublikum bezeichnen, ein bischen festlicher gekleidet, Altersdurchschnitt über 60. Die »Schauburg« hatte sich große Mühe gegeben, auf das Publikum einzugehen und die Veranstaltung zu etwas besonderem zu machen: das Personal war festlich gekleidet, es gab eine Garderobe und in der Pause einen zusätzlichen Stand mit Sekt und Orangensaft. So hätte ich das auch gerne für die Premiere großer Kinofilme!

Vor der eigentlichen Vorstellung wurde der Zuschauerraum der MET gezeigt, das hat wunderbar zum Rot in der Schauburg und den Kronleuchtern gepasst. Man hatte das Gefühl, »dabei« zu sein.

Weil ich von Oper keine Ahnung habe, verweise ich auf die Kritik bei »Dich, teure Halle«. Dem Text dort kann ich in weiten Teilen zustimmen. Von der Stimme her hat mir John Osborne am besten gefallen, schwer beeindruckt war ich von Lawrence Brownlee, der sich im dritten Akt unglaublich gesteigert hat. Und dieses wunderbare Tenortrio ... Renée Fleming in der Titelrolle hat natürlich auch sehr schön gesungen; von Darstellung und Ausstrahlung her passt sie für mich nicht so ganz in die Rolle der bösen Hexe; hat mich eher an die gute Fee in »Cinderella« erinnert.

Zur Technik. Das Bild hatte natürlich Breitwandformat 1.85:1, damit es auf 16:9-Fernsehern keine schwarzen Streifen gibt, ;-) die Farben waren ein wenig blaß, überhaupt hatte ich den Eindruck von »Video-Kamera-Look«. Das sind aber nur kleine Mängel. Generell finde es es hochinteressant, einen Blick auf sonst meist unerreichbare Opernaufführungen in den besten Häusern mit den besten Sängern werfen zu können. Die lokalen Opernhäuser werden sich über die Konkurrenz sicher nicht freuen.

Für Insider: habe bis über beide Ohren gegrinst, dass die Veranstaltung gesponsort wurde von »The Neubauer Family Foundation«.

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