Thursday, 17. December 2009

I see you

Dr. Grace Augustine: »Just relax and let your mind go blank.
That shouldn't be too hard for you.«

»Avatar« (USA 2009)
Buch und Regie: James Cameron, Kamera: Mauro Fiore, Schnitt: John Refoua und Stephen E. Rivkin, Musik: James Horner
Darsteller: Sam Worthington (Jake Sully), Zoë Saldana (Neytiri), Sigourney Weaver (Dr. Grace Augustine), Stephen Lang (Colonel Miles Quaritch), Michelle Rodriguez (Pilotin Trudy Chacon), Joel Moore (Norm Spellman)

Trailer bei Youtube

Die Geschichte ist bekannt und schnell erzählt: ein gieriger Konzern beutet, unterstützt von skrupellosen Militärs einen Urwald aus, schickt einen Kundschafter zu den Eingeborenen, der lernt Land und Leute schätzen, verliebt sich in seine Betreuerin und muss sich entscheiden, auf wessen Seite er in dem sich zuspitzenden Konflikt steht.

Die Variante bei Camerons Film sind die sogenannten Avatare, die aus Genen von Einheimischen und Menschen erschaffen wurden. Um sie zu steuern, legt sich der menschliche Genspender in eine Art Solarium, das den Geist in den Kunstkörper überträgt. Sobald ein Avatar einschläft, »erwacht« der Mensch und erstattet Bericht. Das Avatar bleibt so gut wie leblos an Ort und Stelle, bis Mensch sich wieder in den Apparat legt.

Was ich bisher an 3D gesehen hatte, wirkte nur wie billige Effekthascherei. Und bei dem ganzen Rummel im Vorfeld, den Infos (»blaue Elfen«, mehr als 60% des Films computergenerierte Bilder) und den Artikeln, die ich gelesen hatte(z. B. »Der mit den Schlumpfkatzen tanzt«), waren meine Erwartungen an den Film nicht besonders hoch.

An der Kinokasse dann die erste Überraschung: *zwei* Filme ausverkauft, »Soul Kitchen« und – »Avatar«. Glücklicherweise wurden nicht alle Vorbestellungen abgeholt und es kamen alle Wartenden ins Kino.

Die zweite Überraschung: Der Film hat mich komplett umgehauen. Die 3D-Sicht verleiht dem Geschehen eine Tiefe, dass die Leinwand wie ein Fenster in eine andere Welt wirkt; was der Film ja auch ist: der Star ist zweifellos der Mond Pandora. Man kann sich gar nicht satt sehen an diesen Wäldern mit den exotischen Tieren und Pflanzen, ist ständig nur am Gucken, Entdecken und Staunen. Und beim Ausflug in den Dschungel hat man durch die 3D-Ansicht das Gefühl, die Moskitos schwirrten einem direkt um die Nase herum.

Genauso sorgfältig sind Raumschiffe, Flugzeuge und die Kommandozentrale entworfen. Die gezeigte Technik ist vom Feinsten: so ist zum Beispiel das Personal anstelle von Bildschirmen mit halbtransparenten holografischen Anzeigen umgeben – da wirkt die Brücke des letzten Raumschiff-Enterprise-Films im Vergleich wie kalter Kaffee.

Natürlich hat Cameron Unmengen Teile aus der Filmgeschichte geklaut, natürlich ist die Mimik bei den animierten Charakteren immer noch weit von Schauspielern entfernt (wenn auch besser als alles bisher dagewesene). Aber bei diesem bildgewaltigen Werk ist das nebensächlich. Und bei den Actionszenen zeigt Cameron wieder einmal, wo der Hammer hängt.

Leider fand ich die Musik von James Horner, den ich sonst sehr schätze (»Star Trek 2«, »Titanic«), etwas schwach. Da ist kein einziges Thema dabei, das im Gedächtnis bleibt, die Komposition wirkt ungewohnt lieblos. Schade. Muss ich mir beim Online-Versender nochmal anhören.

Was ich James Cameron ein wenig übel nehme, ist, dass er Zoë Saldana (in der Hauptrolle als Eingeborene Neytiri) im Film hat und uns ihr »normales« Aussehen vorenthält.

Fazit: »Avatar« hat alles, was ein Film idealerweise bieten kann: für ein paar Stunden in eine fremde Welt eintauchen und den Alltag vergessen. Ein Film, der Maßstäbe setzt für das Action- und Science-fiction-Genre. Die neu entwickelten 3-D-Techniken und Effekte haben die Meßlatte für künftige Produktionen in schwindelerregende Höhen verschoben. Wie nach Spielbergs »Jurassic Parc« mit seinen lebensecht wirkenden Dinosaurieranimationen habe ich den Eindruck, dass eine grundlegende Neuerung geschehen ist.

Unbedingt anschauen, und unbedingt in 3D. Es lohnt sich!

Meine Filmwertung des Jahres 2009:

  1. »Avatar«
  2. »Inglourious Basterds«
  3. »Star Trek«

Danke, Mr. Cameron.

Kritiken anderswo

Liste wird fortgesetzt

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4 Comments to "I see you"

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  1. *
    Windharp
    18/12/2009 at 14:21 Permalink

    mit deutlich höheren Erwartungen als Du reingegangen (u:A. weil ich Deine Kritik gelesen hab ;-) ) und nicht ganz so überwältigt.

    Was mir unwahrscheinlich gut gefallen hat, war genauso wie bei Dir der Punkt, dass es endlich mal ein Film war, der mit 3D sinnvoll umgeht, und nicht nur Effekte hintereinanderschneidet. Gerade die moderne Technik war toll an 3D angepasst.

    Was mich gestört hat, waren primär zwei Dinge:
    1) Ich weiss nicht, wie realistisch unrealistische Computergrafiken aussehen müssen um richtig gut zu wirken. Die "Blauen Elfen" waren mir zu sehr auf realistisch (und menschlich) getrimmt, etwas mehr Fantasie oder Abstraktion hätte glaub ich geholfen. Dazu gehören auch Kuss-Szenen etc. die zu einfach nicht zu so einer Spezies passen wollen.

    2) Die erste Hälfte des Films fand ich irgendwie langatmig. Wie bei so vielen Filmen mit Überlänge gibt es lange unnötige Passageb. Lange Zeit bestand dieser Film nur aus durch die Gegen rennen und 3D-Landschaften anschauen. Und das ganze auch noch wiederholt an mehreren Stellen…

    Aber nichts desto trotz: Ich sehe es auch so, dass 3D wenn es so gehandhabt wird, durchaus eine große Zukunft im Film aufzeigt.

    Reply

  2. *
    Klaus
    18/12/2009 at 16:29 Permalink

    Oh, interessant. Vielleicht sollte ich meine Kritiken künftig etwas nüchterner verfassen.

    Zur Länge: ich hatte im letzten Viertel Bedenken, dass es mit einem Cliffhanger endet, weil nicht mehr genug Zeit bleibt, um alles zum Schluß zu bringen. Zu lang kam es mir nicht vor; liegt sicher an dem halben Dutzend 70mm-Filme, die ich gesehen habe. Da sind die Filme alle endlos lang, allerdings auch mit Pause, die in manchen Kinos auch bei "Avatar" (bei 1:34 vorgesehen) gemacht wird.

    In welchem Kino warst Du?

    Reply

  3. *
    Windharp
    06/01/2010 at 12:02 Permalink

    Ludwigshafen, Village Cinema. Mit Fahrrad war uns alles andere zu weit. :-)

    Reply

  4. *
    Steffen
    27/01/2010 at 23:09 Permalink

    Da braucht man doch nicht soviel teure Technik. Guggsdu hier: http://flosti.tumblr.com/post/356665230/ich-musste-ja-eben-dann-doch-herzhaft-lachen
    :-)

    Reply

2 Trackbacks to "I see you"

  1. u1amo01 02/02/2010 at 16:03
    Die Nominierungen wurden bekannt gegeben, sehr schön mit Fotos bei Oscar.com zu sehen. Natürlich wurde »Avatar« mehrfach nominiert (Best Picture, Art Direction, Cinematography, Directing, Film Editing, Music, Sound Editing, Sound Mixing, Visual
  2. u1amo01 08/03/2010 at 08:53
    Die beste Übersicht, die ich auf die Schnelle gefunden habe, gibt es bei DVDuell.de. Überraschend hat »Avatar« nur 3 erhalten (Kamera, Visuelle Effekte, Art Direction), nicht überraschend hat Christoph Waltz den Preis für seine Rolle in »I

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