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When shall we three meet again?

Ich wollte ja schon immer einmal in die Oper. Schmetternde Heldentenöre, keifen koloratursingende Sopranistinnen … Für Anfänger wird gern Mozarts »Zauberflöte« oder der »Schreifritz« von Weber empfohlen; das habe ich ignoriert und das Angebot einer Freundin angenommen, mit ihr nach Mannheim in Verdis »Macbeth« zu gehen.

Ich hielt mich für gut vorbereitet, schließlich kenne ich Terry Pratchetts Buch »Macbest«, besitze ein paar CDs mit Tenorarien und sicherheitshalber hatte ich zuvor die Wikipedia-Zusammenfassung der Oper gelesen. Gespannt wartete ich auf den Abend. Ein heißer Tag, sicher nicht optimal fürs Zuhören, zum Singen auf einer mit Scheinwerfern aufgeheizten Bühne schon gar nicht.

Das Folgende habe ich direkt nach der Aufführung auf der Heimfahrt im Zug ins Notizbuch gekritzelt. Man möge auch berücksichtigen, dass ich von Oper (noch) keine Ahnung habe ;-).

Es war überwältigend. Mehr als 60 Mitwirkende auf der Bühne (Solisten, zwei Chöre, Bewegungschor), dazu das Orchester und ein ausverkauftes Haus - grandios. Das Stück selbst war mir ein wenig zu sopranlastig. Und die Musik angesichts der dramatischen Texte (den Übertiteln in Arial sei Dank auch verständlich) manchmal ein wenig zu fröhlich. Verdi eben. Erst im vierten Akt kommt die heissersehnte Tenorarie (Charles Reid als Macduff). Während der Bariton in der Rolle des Macbeth (Karsten Mewes) den ganzen Abend ackert wie ein Pferd, erhält der Tenor den stürmischsten Applaus. Fast wie beim Schlagzeugsolo in der Bigband.

Die Inszenierung fand ich zu statisch; der Chor friert immer wieder ein und bewegt sich zwischendurch wie in einem Stück von Robert Wilson. Dafür wird die Drehbühne ausgiebig als Karusell benutzt, natürlich steigt der Bühnenboden schräg nach hinten an und sogar die unvermeidliche Rückprojektion kommt zu einem kurzen Einsatz. Bühnenbild und Requisite sind spartanisch, als Kostüme dienen überwiegend Trenchcoats. Die Beleuchtung schien ein wenig von Rockkonzerten inspiriert: der Solist hatte meistens einen Verfolger. Anstelle dreier Hexen (ist das bei dieser Oper immer so?) war der ganze weibliche Choranteil als Schaufensterpuppen zurecht gemacht unterwegs.

Ich muss gestehen, dass mir der Tenor am besten gefallen hat, natürlich auch der Bariton in der Titelrolle. Die Sopranistin (Galina Shesterneva) war ganz gut, aber nicht mein Fall. Beim Orchester war ich von Flöte, Klarinette und Englischhorn (oder wars Oboe?) begeistert. Überhaupt: als "U-Musiker" vergißt man leicht, dass Orchestersolisten und Opernsänger einen riesigen Saal mühelos ohne jegliche Verstärkung durch Elektronik füllen können.

Fazit: »Macbeth«, meine erste erlebte Oper, wird sicher nicht meine Lieblingsoper (es fehlen einfach ein paar »Gassenhauer«). Aber es bleibt mit Sicherheit nicht mein einziger Opernbesuch. In der nächsten Saison stehen »Carmen« und »Turandot« auf dem Spielplan. Klingt interessant.

Wer sich selbst ein Bild machen will: »Macbeth« steht nur noch am 29. Juli 2009 auf dem Programm.

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