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Bericht vom 2. Widescreen Festival - Teil 5

Spät aber besser als nie: die Fortsetzung meines Berichts vom VistaVision-Wochenende in der Karlsruher »Schauburg«.

»Zwei rechnen ab«

(Gunfight At The O.K. Corral / USA 1957)

Erzählt wird die bekannte Geschichte von den Earps und den Clantons, die mit der berüchtigten Schiesserei am O.K. Corral endet. Der Film von Regisseur John Sturges stellt die Männerfreundschaft des gesundheitlich angeschlagenen Spielers Doc Holliday (Kirk Douglas) und Wyatt Earp (Burt Lancaster) in den Mittelpunkt.

Endlich konnte ich diesen Streifen auf der großen Leinwand erleben. Es fasziniert mich immer wieder, wie groß der Unterschied zwischen der heimischen Flimmerkiste und dem Kinoerlebnis ist. Der Film hat mich so gefesselt, dass ich völlig vergessen habe auf Kopienqualität etc. zu achten. Anscheinend war alles gut; Mängel fallen ja bekanntlich eher auf.

Der Film ist wunderbar fotografiert (Charles Lang), die Musik von Dimitri Tiomkin ist wunderbar, die Darsteller sind in blendender Spiellaune – ein großartiger klassischer Western. Nicht zu vergessen das gute Drehbuch von Leon Uris.

Ein Kuriosum am Rande: einer der Earp-Brüder wird von Raumschiff-Enterprise-Doktor DeForrest Kelley gespielt. In der Enterprise-Folge »Wildwest im Weltraum« werden die Crew-Mitglieder Kirk, Spock, McCoy, Scotty und Chekov von Aliens in eine Westernstadt versetzt, wo sie feststellen, dass alle sie für die Clanton-Bande halten. Und der O.K. Corral wartet ... Ausführlich kann man das bei Synchronkartei.de nachlesen.

Nach dem zweiten Western dieses Tages gab es Kaffee und Kuchen, der für Festivalpassbesucher inklusive war. Kann ich nur empfehlen. Man sitzt bei gutem Wetter zwischen den Filmen entspannt im Hof und kann den Experten beim fachsimpeln zuhören.

»Über den Dächern von Nizza«

(To Catch A Thief / USA 1955)

Beim dritten Film des Tages hatte ich eine Art, hm, Loch. War vielleicht ein wenig zu viel des Guten. Bei einem Hitchcock-Film erwarte ich eigentlich Hochspannung, was über den Dächern von Nizza so gut wie gar nicht geboten wird. Grace Kelly und Cary Grant liefern sich lustige Wortgeschäfte, alle sind ausgezeichnet gekleidet, die Nebenrollen sind mit John Williams als Versicherungsdetektiv, Jeyyie Royce Landis als Kellys Mutter und Brigitte Auber als Danielle gut besetzt, John Michael Hayes liefert mit seinem Drehbuch allen spritzige Dialoge. Amüsante Komödie für den Sonntagnachmittag.

Wenn ich mir auch zum Imbiss Notizen gemacht hätte, könnte ich mehr dazu schreiben als dass ich mich an Chili erinnere, dass es mehr als genug und gut war ;-)

»Die oberen Zehntausend«

(High Society / USA 1956)

Einer der Festival-Besucher hatte in seinem Archiv gekramt und ein komisches Lied in Perspecta-Ton (gesungen von Georg Thomalla? und anderen) mitgebracht. Das konnten die überraschten Besucher hören, bevor sich der Vorhang für High Society öffnete. Eine eindrucksvolle Demonstration der Möglichkeiten von Perspecta. An dieser Stelle ein großes Lob an Toningenieur Gunter Oehme, der die Voraussetzungen für die Wiedergabe des alten Perspecta-Verfahrens über die moderne Tonanlage geschaffen hat.

Von »High Society« hatte ich nicht viel erwartet. Irgend so ein langweiliger Musikfilm, in dem Louis Armstrong ein bischen herumalbert, dachte ich. Selten so falsch gedacht! »High Society« erwies sich für mich als der absolute Höhepunkt des Festivals. Dass Cole Porter ein genialer Komponist war, ist jedem Jazzmusiker bekannt. Wenn die Songs dann noch von Bing Crosby und Frank Sinatra nicht nur zu hören, sondern auf der großen Leinwand auch zu erleben sind – das kann man schon fast nicht mehr beschreiben.

Überhaupt Bing Crosby: wie konnte der Mann im Vergleich zu Frank Sinatra so in der Versenkung verschwinden? Und die Nummer mit der Armstrong-Band hat mich glatt umgehauen. Das klang verdammt gut. Wie ein Live-Auftritt (und ich glaube, ich kann das als Amateurmusiker beurteilen). Dazu eine großartig zickig spielende und umwerfend aussehende Grace Kelly ... Wäre schön, das bald noch einmal im Kino zu erleben.

Ein dickes Dankeschön an Herbert Born und sein »Schauburg«-Team für dieses Wochenende!

Das vollständige Programm zum Nachlesen gibt es bei in70mm.com und auch hier im Blog. Es hat großen Spaß gemacht! (Und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Desmond Llewelyn in gelben Strumpfhosen auf der Leinwand sehe). Wenn ich einen Wunsch frei hätte für das nächste Festival, würde ich mir »Der Hofnarr« (The Court Jester) mit Danny Kaye wünschen (»... der Becher mit dem Fächer hat den Wein gut und rein ...«)

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